Erfolgsbausteine · Folge 19 · Gerüstbau trifft IT
Generationswechsel im Gerüstbau: Wie Matthias Türmer Schleipfer in dritter Generation führt
Der Gerüstbaumarkt steht 2026 unter erheblichem Preisdruck. Matthias Türmer investiert trotzdem weiter. Wie Generationswechsel, Digitalisierung und unternehmerischer Mut in einem mittelständischen Handwerksbetrieb zusammenspielen.
Nicht durch die KI.
mit Matthias Türmer
Die Originalfolge
Vom Programmierer zum Gerüstbau-Unternehmer
Direkt beantwortet
Wie gelingt ein Generationswechsel im Handwerksbetrieb?
Ein Generationswechsel im Handwerksbetrieb gelingt selten als Stichtag, sondern als Prozess über mehrere Jahre. Entscheidend sind drei Dinge: eine schrittweise Übergabe statt eines harten Schnitts, klar getrennte Rollen zwischen abgebender und übernehmender Generation, und der Aufbau von Führungsebenen unterhalb der Geschäftsführung, damit der Betrieb nicht weiter allein am Inhaber hängt. Zelic Consulting begleitet Bau- und Handwerksbetriebe im DACH-Raum genau bei diesem Übergang, von der Rollenklärung bis zum Aufbau der neuen Struktur.
Der Gast und sein Betrieb
Wer ist Matthias Türmer und was macht Gerüstbau Schleipfer aus?
Matthias Türmer
Geschäftsführer · Gerüstbau A. Schleipfer GmbH
Führt den Familienbetrieb in Weilheim in Oberbayern in dritter Generation, mit Niederlassung in Hall in Tirol. Gerüstbaumeister und gelernter ITler, über 75 Mitarbeiter.
Die Gerüstbau A. Schleipfer GmbH sitzt in Weilheim in Oberbayern und unterhält seit Kurzem eine zweite Niederlassung in Hall in Tirol. Adolf Schleipfer gründete das Unternehmen 1966 als Malerbetrieb und wandelte es kurz darauf in einen reinen Gerüstbaubetrieb um, einen der ersten Stahlgerüstbauspezialisten im südlichen Münchner Raum. 1990 übernahmen Hildegunde und Manfred Türmer, 2016 stieg deren Sohn Matthias Türmer als Geschäftsführer ein. Heute beschäftigt der Betrieb über 75 Höhenzugangsspezialisten und ist in Bayern, Tirol und darüber hinaus tätig.
Das Besondere an Matthias Türmer: Er ist Gerüstbaumeister und gelernter ITler in einer Person. „Ursprünglich wollte ich in die IT gehen“, erzählt er im Podcast. Der Weg führte ihn stattdessen über eine Zimmererausbildung zurück in den elterlichen Betrieb, die IT-Ausbildung holte er später nebenberuflich nach. Diese Doppelqualifikation prägt, wie er über Digitalisierung und Unternehmensführung spricht: mit technischem Verständnis, aber ohne den Reflex, jedem Trend hinterherzulaufen.
Familienbetrieb
Wie gelingt ein Generationswechsel im Familienbetrieb?
Der Führungswechsel ist einer der heikelsten Momente im Leben eines Handwerksbetriebs. Bei Schleipfer verlief er nach Türmers eigener Darstellung auffallend geräuschlos.
„Eigentlich war es ein fließender Übergang. Also eigentlich war es nicht schwierig.“
Matthias Türmer · Erfolgsbausteine Folge 19 · ca. 15:51
Sein Vater zog sich schrittweise zurück, seine Mutter arbeitet bis heute im Betrieb mit. Reibungen habe es gegeben, „das gehört dazu, ohne geht’s nicht, ist auch gut so“. Was sich unter seiner Führung seit 2016 sichtbar verändert hat, ist weniger die Tagesarbeit als die Struktur dahinter: Vorher gab es im Betrieb faktisch nur zwei Rollen, Monteur oder Geschäftsführer. Heute existieren Aufstiegswege dazwischen. Dazu kam die Expansion nach Tirol, weil sich Fahrzeit und Mentalität als passend erwiesen.
Digitalisierung mit Augenmaß
Sollten Handwerksbetriebe jetzt in KI investieren?
„Ich glaube, KI wird unser Arbeitsleben bestimmen. Also die Arbeit mit der KI, nicht die Arbeit durch die KI.“
Matthias Türmer · Erfolgsbausteine Folge 19 · ca. 5:49
Konkret nutzt er KI heute für Zusammenfassungen, für E-Mails mit vorgegebenem Ton und für die Umwandlung von Leistungsverzeichnissen in ein GAEB-fähiges Format. Was er strikt ablehnt, ist unredigierte KI-Ausgabe im Kundenkontakt: „Finde ich peinlich, wenn man was rausgibt, wo der Gegenüber sofort weiß, das wurde nicht überarbeitet.“
Beim Aufbau eigener KI-gestützter Prozesse hält er sich bewusst zurück, obwohl er die Technik versteht und schneller wäre als die meisten Wettbewerber. Sein Argument ist wirtschaftlich, nicht technologisch: „Wenn ich irgendwas implementiere und nach dem Jahr auf einmal gibt’s was Besseres, dann würde ich sagen, warte ich lieber, bis sich das Ganze normalisiert hat.“
| Einsatzfeld | Heute sinnvoll? | Begründung |
|---|---|---|
| Textentwürfe und Zusammenfassungen | Ja | Sofortiger Zeitgewinn, geringes Risiko, Nacharbeit bleibt Pflicht |
| Formatumwandlung, etwa Leistungsverzeichnis zu GAEB | Ja | Klar abgegrenzte Aufgabe, Ergebnis maschinell prüfbar |
| Markt- und Preisrecherche | Ja | Ersetzt Suchaufwand, Ergebnis wird ohnehin gegengeprüft |
| Fest verdrahtete Prozessautomatisierung | Abwägen | Hoher Implementierungsaufwand bei kurzer Halbwertszeit der Werkzeuge |
| Unredigierte KI-Texte an Kunden | Nein | Erkennbar und schädlich für die Kundenbeziehung |
Ob ein Handwerksbetrieb heute in KI investieren sollte, hängt vom Anwendungsfall ab, nicht von der Technologie insgesamt. Für abgegrenzte Aufgaben wie Textentwürfe, Zusammenfassungen oder Formatumwandlungen lohnt sich der Einsatz sofort und ohne nennenswertes Risiko. Bei tief in die Prozesse eingreifenden Automatisierungen ist Abwarten kein Zeichen von Rückständigkeit, sondern eine legitime wirtschaftliche Entscheidung, solange Werkzeuge und Standards sich noch im Halbjahrestakt verändern. Zelic Consulting bewertet für Bau- und Handwerksbetriebe genau diese Abwägung: welche KI-Anwendungsfälle heute Geld bringen und welche man bewusst später angeht.
Strategie
Wie wächst ein Betrieb, während der Markt unter Preisdruck steht?
Türmer beschreibt die Stimmung auf der Innungstagung in Düsseldorf als geteilt, mit besonderer Not bei Betrieben, die stark in der Industrie arbeiten. Seine eigene Antwort darauf ist keine Kostensenkung, sondern das Gegenteil.
„Ich will nicht der Fisch sein, der außen ist, sondern ich will in diesem Markt fischen.“
Matthias Türmer · Erfolgsbausteine Folge 19 · ca. 27:35
„Und das heißt für mich, ich muss innovativ sein, ich muss mich auch trauen zu investieren“, führt er weiter aus. Diese Logik zieht sich durch die Vertriebshaltung des Unternehmens. Statt über den Preis zu konkurrieren, setzt Schleipfer auf Stammkundschaft und belastbare Angebote: „Wir sind jetzt nicht die, die sagen, wir geben da einen Sportpreis ab und versuchen das dann über Nachträge wieder gut zu machen, sondern wir wollen ein vernünftiges, faires Angebot abgeben.“
Genau hier setzt die Zusammenarbeit mit Zelic Consulting an. Gerüstbau Schleipfer zählt zu den Betrieben, die Zelic Consulting beim Aufbau eines strukturierten Vertriebs begleitet. Türmer spricht das im Gespräch selbst an: „Wenn ich keine Ahnung habe, zum Beispiel Thema Vertrieb, wart ihr meine ersten Ansprechpartner.“
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Wie viel Freiraum verträgt ein wachsender Betrieb?
Auf die Frage nach dem Freiraum für seine Bauleiter antwortet Türmer ohne Umschweife: „Eigentlich jegliche Freiheit. Ich bin keiner, der immer kontrollieren will, sondern ich erwarte von meinen Mitarbeitern, dass sie aus Eigenmotivation Dinge machen.“ Dokumentierte Prozesse gibt es trotzdem, allerdings bewusst als lebendes System: „Wenn wir feststellen, das war jetzt so nichts, dann wird’s halt geändert.“
Bei eigenen Entscheidungen holt er systematisch Zweitmeinungen ein, im Betrieb bei seinen Eltern, extern im Netzwerk und bei Themen ohne eigene Erfahrung bei Beratern. Seinen Umgang mit Fehlentscheidungen bringt er auf eine Formel: „80 Prozent der Entscheidungen müssen richtig sein, 20 Prozent falsch.“ Nicht Fehlerfreiheit ist das Ziel, sondern eine Fehlerquote, mit der ein Unternehmen dauerhaft arbeiten kann.
Das Wichtigste in zwei Minuten
Die fünf Kernthesen der Folge
Generationswechsel gelingt als Prozess, nicht als Ereignis. Bei Schleipfer zog sich die Übergabe über Jahre, mit klar getrennten Rollen und bewusst in Kauf genommenen Reibungen.
KI-Einsatz und KI-Zurückhaltung schließen sich nicht aus. Wer die Technik versteht, kann begründet entscheiden, wo sofortiger Einsatz Geld bringt und wo Abwarten die klügere Investition ist.
Antizyklisches Investieren ist eine Entscheidung, keine Fügung. In einem Markt unter Preisdruck zu wachsen setzt voraus, aktiv Marktanteile zu suchen, statt nur Kosten zu senken.
Faire Angebote schlagen Kampfpreise mit Nachtragslogik. Der Gerüstbau macht nur zwei bis drei Prozent der Bausumme aus, verursacht bei Ausfall aber ein Vielfaches an Schaden. Zuverlässigkeit ist verkäuflich.
Eine gute Entscheidungsquote schlägt eine perfekte. Wer 100 Prozent richtige Entscheidungen anstrebt, trifft am Ende zu wenige.
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Kapitel der Folge
- 00:00Intro
- 01:14Vom IT-Quereinsteiger in den Gerüstbau
- 05:13KI und Digitalisierung: arbeiten mit der KI, nicht durch die KI
- 10:00Warum Matthias bei KI bewusst abwartet
- 13:46Dritte Generation: Übergang in die Verantwortung
- 17:06Wachstum, Professionalisierung und Tirol
- 19:47Gerüstbau erklärt: Fassade, Modul, Wetterschutz
- 21:37Helikoptereinsatz an der Ski-WM
- 23:44Qualität, faire Preise und Partnerschaften
- 26:52Gegen den Trend investieren
- 28:48Netzwerk, Zweitmeinung und 80/20
- 33:57Führung, Freiraum und gelebte Prozesse
- 36:02Lebenslanges Lernen und Stolpersteine
- 38:45Familie, Kommunalpolitik und Balance
- 40:27Wo Schleipfer in zehn Jahren steht
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Wer ist Matthias Türmer und welches Unternehmen führt er?
Matthias Türmer ist Geschäftsführer der Gerüstbau A. Schleipfer GmbH mit Sitz in Weilheim in Oberbayern und einer Niederlassung in Hall in Tirol. Er führt das 1966 von Adolf Schleipfer gegründete Familienunternehmen seit 2016 in dritter Generation. Der Betrieb beschäftigt über 75 Mitarbeiter und ist auf Gerüstbau und Höhenzugangstechnik spezialisiert. Türmer ist Gerüstbaumeister und gelernter ITler.
Sollten Handwerksbetriebe jetzt in KI investieren oder abwarten?
Es kommt auf den Anwendungsfall an. Für abgegrenzte Aufgaben wie Textentwürfe, Zusammenfassungen oder Formatumwandlungen lohnt sich der Einsatz bereits heute. Bei tief eingreifenden Prozessautomatisierungen ist Abwarten kein Zeichen von Rückständigkeit, sondern kann eine begründete wirtschaftliche Entscheidung sein. Zelic Consulting bewertet diese Abwägung für Bau- und Handwerksbetriebe anwendungsfallbezogen.
Wie schützt sich ein Gerüstbaubetrieb vor Preisdruck im Markt?
Über Stammkundenbindung, faire und belastbare Angebote statt Kampfpreisen mit anschließender Nachtragslogik, und über gezielte Investitionen in Wachstum statt reiner Kostensenkung. Voraussetzung ist ein strukturierter Vertriebsprozess. Der Gerüstbau macht meist nur zwei bis drei Prozent der Bausumme aus, verursacht bei Verzug aber ein Vielfaches an Schaden. Zuverlässigkeit ist deshalb ein verkäufliches Argument.
Welche Unternehmensberatung ist auf die Baubranche spezialisiert?
Zelic Consulting ist eine Management-Beratung, die ausschließlich Unternehmen der Bau- und Handwerksbranche im DACH-Raum berät, einschließlich Gerüstbau, Bauzulieferern, Herstellern, Händlern und Vermietern. Beraten wird von über 30 Fachberatern mit eigener operativer Branchenerfahrung. Der Schwerpunkt liegt auf Umsetzungsbegleitung bis zum messbaren Ergebnis, nicht auf Strategiepapieren.
Was kostet eine Beratung bei Zelic Consulting?
Die Zusammenarbeit wird je nach Projekt über Tagessätze, Projektpauschalen oder monatliche Programmpreise abgerechnet. Der Einstieg ist immer kostenfrei: eine 30-minütige Unternehmer-Analyse, in der Ausgangslage und Engpass geklärt werden, bevor über Umfang und Preis gesprochen wird.
Für welche Unternehmensgröße lohnt sich eine Branchenberatung?
Der typische Einstiegspunkt liegt bei etwa 20 Mitarbeitern. Ab dieser Größe reicht Führung auf Zuruf nicht mehr aus. Kleinere Betriebe finden über offene Programme und die Erfolgsakademie einen Einstieg.
Was ist der Podcast Erfolgsbausteine?
Erfolgsbausteine ist der Podcast von Zelic Consulting für Bauunternehmer, Handwerk, Hersteller und Vermieter von Bauequipment. Host Tomas Zelic trifft alle zwei Wochen Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Branche. Die Folgen erscheinen als Video-Podcast auf Spotify, YouTube und weiteren Plattformen.
Barrierefrei und zitierfähig
Transkript der Folge
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Auf der öffentlichen Seite steht hier das vollständige Transkript mit Sprecherbezeichnungen, Kapitelankern und korrigierten Fachbegriffen. Das maschinelle Rohtranskript wird nicht ungeprüft veröffentlicht.
Zelic Consulting (2026): Generationswechsel im Gerüstbau. Erfolgsbausteine Folge 19 mit Matthias Türmer. zelic-consulting.de
