Wissen für Bau und Handwerk
Deckungsbeitrag und Nachkalkulation im Bau- und Handwerksbetrieb
Die Dachsanierung ist fertig, die Schlussrechnung bezahlt. Auf dem Konto ist trotzdem weniger übrig, als die Kalkulation versprochen hat. Wo das Geld geblieben ist, zeigen zwei Werkzeuge: der Deckungsbeitrag, der sagt, was ein Auftrag zur Deckung der Fixkosten beiträgt, und die Nachkalkulation, die Soll und Ist für jeden Auftrag nebeneinanderlegt.
Kapitel 1
Was ist der Deckungsbeitrag, und was zeigt die Nachkalkulation?
Kurz beantwortet
Den Deckungsbeitrag eines Auftrags berechnest du, indem du vom Erlös alle Kosten abziehst, die der Auftrag selbst verursacht: Material, Fremd- und Nachunternehmerleistungen, Geräte und, je nach Definition, den Lohn der eigenen Leute. Ob der Auftrag damit Geld verdient hat, prüft die Nachkalkulation: Sie stellt die tatsächlichen Kosten, Stunden und Mengen den Soll-Werten der Kalkulation gegenüber, umgerechnet auf die Leistung, die wirklich erbracht wurde. Gewinn entsteht erst, wenn die Deckungsbeiträge aller Aufträge zusammen die Fixkosten des Betriebs übersteigen.
| Begriff | Rechnung |
|---|---|
| Deckungsbeitrag | Erlös minus variable Kosten |
| Betriebsergebnis | Summe aller Deckungsbeiträge minus Fixkosten |
| Nachkalkulation | Ist-Kosten, Ist-Stunden und Ist-Mengen eines Auftrags gegen die Soll-Ansätze der Arbeitskalkulation |
Der Deckungsbeitrag beantwortet die Frage, wie viel ein Auftrag zur Deckung der Fixkosten beiträgt, also für Büro, Fuhrpark, Verwaltung und Geschäftsführung. Die Nachkalkulation beantwortet die Frage, ob der geplante Deckungsbeitrag tatsächlich erreicht wurde und warum nicht. Beide gehören zusammen: Ohne Nachkalkulation bleibt der Deckungsbeitrag eine Planzahl, ohne Deckungsbeitrag fehlt der Nachkalkulation der Maßstab.
Die Nachkalkulation hat zwei Aufgaben. Sie prüft, ob die Ansätze der Angebots- und Arbeitskalkulation angemessen waren, und sie liefert neue Ansätze für Mengen, Stunden und Kosten, die in die nächsten Angebote einfließen.
Kapitel 2
Was unterscheidet Deckungsbeitrag, Rohertrag und Gewinn?
Im Alltag werden drei Begriffe oft vermischt: Rohertrag, Deckungsbeitrag und Gewinn. Sie unterscheiden sich darin, wie viele Kosten vom Umsatz abgezogen sind.
| Kennzahl | Was abgezogen wird | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| Rohertrag | nur Material oder Wareneinsatz | was nach dem Einkauf übrig bleibt |
| Deckungsbeitrag | alle variablen Kosten: Material, Fremdleistungen, Gerätemiete, Entsorgung, je nach Definition auch Lohn | was ein Auftrag zur Deckung der Fixkosten beiträgt |
| Gewinn | zusätzlich alle Fixkosten des Betriebs | was dem Unternehmen am Ende bleibt |
Für einen Händler mit wenig Dienstleistung liegen Rohertrag und Deckungsbeitrag nah beieinander. Im Bau und Handwerk fallen neben dem Material viele weitere auftragsbezogene Kosten an, etwa Nachunternehmer, Mietgeräte, Container und Entsorgung. Ein Betrieb, der nur auf den Rohertrag schaut, hält Aufträge deshalb leicht für ertragreicher, als sie sind.
Ein positiver Deckungsbeitrag heißt noch nicht, dass ein Auftrag genug bringt. Kurzfristig kann ein Auftrag sinnvoll sein, der seine variablen Kosten deckt und freie Kapazität füllt, weil er einen Teil der Fixkosten abfedert. Dauerhaft müssen alle Aufträge zusammen die Fixkosten und den Gewinn tragen.
Kapitel 3
Gehört der Lohn der fest Angestellten in den Deckungsbeitrag?
Kurz beantwortet
Für die Nachkalkulation eines Auftrags gehört der Lohn der eigenen Leute in den Deckungsbeitrag, auch bei fest angestellten Mitarbeitern: Die Stunden sind die Kostenart, die der Betrieb auf der Baustelle selbst steuert, und nur mit ihnen zeigt der Soll-Ist-Vergleich, wo das Geld geblieben ist. Für die Frage, welcher Auftrag die knappen Stunden am besten bezahlt, rechnest du zusätzlich einen Deckungsbeitrag vor Lohn je Stunde. Beide Werte sind richtig, sie beantworten unterschiedliche Fragen. Welche Definition gilt, gehört auf jede Auswertung.
Der Streit hat einen echten Kern. Ein fest angestellter Monteur kostet auch dann Lohn, wenn er keinen Auftrag hat. Wer so rechnet, behandelt den Lohn als Fixkosten und zieht im Deckungsbeitrag nur Material und Fremdleistungen ab. Die Baukalkulation geht den anderen Weg: Im Formblatt 221 des Vergabehandbuchs des Bundes zählen die eigenen Lohnkosten, bewertet mit dem Kalkulationslohn, zu den Einzelkosten der Teilleistungen, neben Stoffen, Geräten, sonstigen Kosten und Nachunternehmerleistungen.
| Deckungsbeitrag nach Lohn | Deckungsbeitrag vor Lohn | |
|---|---|---|
| Was abgezogen wird | alle Einzelkosten des Auftrags einschließlich der Stunden mal Kalkulationslohn | Material, Fremdleistungen, Geräte; der Lohn bleibt bei den Fixkosten |
| Welche Frage er beantwortet | Hat dieser Auftrag seine eigenen Kosten verdient, und wo weicht er vom Soll ab? | Welcher Auftrag bezahlt eine produktive Stunde am besten? |
| Im Rechenbeispiel unten | 38.200 € oder 63,67 € je Lohnstunde | 67.000 € oder 111,67 € je Lohnstunde |
Welche Definition ein Betrieb wählt, ist eine Entscheidung. Falsch wird es erst, wenn beide durcheinandergehen: Ein Deckungsbeitrag vor Lohn sieht immer besser aus und verleitet dazu, Aufträge mit zu vielen Stunden für gut zu halten. Deshalb steht auf jeder Auswertung, ob der Lohn abgezogen ist.
Kapitel 4
Wie funktioniert die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung im Baubetrieb?
Die einstufige Deckungsbeitragsrechnung zieht alle Fixkosten in einer Summe ab. Die mehrstufige Rechnung, auch Fixkostendeckungsrechnung genannt, zieht sie schrittweise ab, je nachdem wie nah sie am Auftrag liegen. So wird sichtbar, auf welcher Ebene Geld verdient oder verloren wird. Übertragen auf einen Bau- oder Handwerksbetrieb sieht das so aus:
| Stufe | Was abgezogen wird | Welche Frage sie beantwortet |
|---|---|---|
| Deckungsbeitrag I | vom Erlös des Auftrags die Einzelkosten: Lohn, Material, Geräte, Fremd- und Nachunternehmerleistungen | Was bringt der Auftrag selbst? |
| Deckungsbeitrag II | Baustellengemeinkosten wie Bauleitung anteilig und Baustelleneinrichtung | Trägt die Baustelle ihre eigenen Gemeinkosten? |
| Deckungsbeitrag III | Fixkosten einer Sparte, Kolonne oder Niederlassung | Welcher Bereich trägt den Betrieb? |
| Betriebsergebnis | Allgemeine Geschäftskosten für Büro, Verwaltung und Geschäftsführung | Verdient das Unternehmen Geld? |
Die Begriffe kommen aus der Zuschlagskalkulation im Bau. Dort werden Baustellengemeinkosten, Allgemeine Geschäftskosten sowie Wagnis und Gewinn als Zuschläge auf die Einzelkosten der Teilleistungen verteilt. Das Formblatt 221 der öffentlichen Vergabe fragt diese Zuschläge getrennt nach Lohn, Stoffkosten, Gerätekosten, sonstigen Kosten und Nachunternehmerleistungen ab.
Für Betriebe mit mehreren Sparten ist die dritte Stufe die wichtigste. Wer Montage, Vermietung und Handel betreibt und alle Gemeinkosten über einen einzigen Zuschlag auf den Lohn verteilt, verzerrt die Preise: Lohnintensive Aufträge erscheinen zu teuer, materialintensive zu günstig. Erst ein Deckungsbeitrag je Sparte zeigt, welcher Bereich die Fixkosten trägt.
Kapitel 5
Wie läuft eine Nachkalkulation je Auftrag ab?
Eine Nachkalkulation steht am Ende einer Kette von Kalkulationen. Nach der Angebotskalkulation folgt mit dem Auftrag die Arbeitskalkulation. Sie passt die Ansätze an den geplanten Bauablauf an, prüft Baustoffpreise, Geräte und Nachunternehmerpreise und liefert die Soll-Werte für Bauleitung und Nachkalkulation. Nachträge bekommen eine eigene Nachtragskalkulation.
Die Nachkalkulation selbst hat zwei Seiten. Die technische Nachkalkulation vergleicht Mengen: Lohnstunden je Leistungseinheit, Maschinenstunden, Materialverbrauch, ermittelt aus Tages- und Wochenberichten und dem Aufmaß. Die kaufmännische Nachkalkulation bewertet diese Mengen mit Lohnsätzen, Verrechnungssätzen und Preisen und stellt sie den Soll-Kosten gegenüber.
- 01Die Arbeitskalkulation nach Auftragserteilung als Soll festhalten: Stunden, Mengen und Kosten je Position oder Gewerk.
- 02Die Stunden je Auftrag und Tätigkeit erfassen, Rüst-, Fahr- und Wartezeiten getrennt.
- 03Material, Geräte und Rechnungen von Nachunternehmern dem Auftrag zuordnen, mit Lieferschein und Datum.
- 04Zum Stichtag die erbrachte Leistung melden: Aufmaß oder abgerechnete Menge, Nachträge gesondert.
- 05Die Soll-Kosten der erbrachten Leistung bilden: Ist-Menge mal Soll-Ansatz je Einheit.
- 06Abweichungen je Kostenart ausweisen und in Mengen- und Preisabweichung zerlegen.
- 07Mit der Schlussrechnung die neuen Ansätze für Stunden, Verbrauch und Preise in die Kalkulation des nächsten Angebots übernehmen.
Mitlaufend oder erst am Schluss?
Bauaufträge laufen oft über Monate. Eine Nachkalkulation, die erst nach der Schlussrechnung beginnt, liefert Erkenntnisse für das nächste Angebot, ändert am laufenden Auftrag aber nichts mehr. Mitlaufend, etwa monatlich zur Leistungsmeldung, lassen sich Abweichungen erkennen, solange noch Zeit zum Gegensteuern ist. Die Schlussbetrachtung bleibt trotzdem nötig, weil erst sie den ganzen Auftrag zeigt.
Welche Daten eine Nachkalkulation braucht, entscheidet sich auf der Baustelle: Stunden je Auftrag, Lieferscheine, Rechnungen von Nachunternehmern und Geräteverleihern, das Aufmaß und die Arbeitskalkulation als Soll. Wie Stunden je Auftrag digital erfasst werden, beschreibt die Seite Digitale Personalakte 2027. Die Abschlags- und Schlussrechnungen liefern die Erlösseite, mehr dazu auf der Seite E-Rechnung im Bau- und Handwerksbetrieb.
Kapitel 6
Wie liest man einen Soll-Ist-Vergleich richtig?
Kurz beantwortet
Ein Soll-Ist-Vergleich ist nur fair, wenn das Soll auf die tatsächlich erbrachte Leistung umgerechnet wird: Ist-Menge mal Soll-Ansatz je Einheit. Diese Soll-Kosten der Ist-Leistung heißen Hätte-Kosten. Wer die Ist-Kosten mit dem ursprünglichen Plan vergleicht, liest Mehrmengen und Nachträge fälschlich als Verlust und schickt falsche Signale an Bauleiter und Kolonne.
Ein Beispiel: Kalkuliert waren 500 Quadratmeter Pflaster mit 0,5 Stunden je Quadratmeter, also 250 Stunden. Ausgeführt wurden 590 Quadratmeter in 300 Stunden. Gegen den Plan sind das 50 Mehrstunden. Die Hätte-Kosten zeigen etwas anderes: Für 590 Quadratmeter wären 295 Stunden angesetzt gewesen. Die eigentliche Abweichung sind 5 Stunden, der Rest ist Mehrleistung, die abgerechnet gehört.
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung. Den Ist-Kosten einer Periode darf nur gegenüberstehen, was in derselben Periode an Leistung erbracht wurde. Kommt die Rechnung eines Nachunternehmers zwei Monate später, sieht die Baustelle erst zu gut und dann zu schlecht aus.
Mengenabweichung und Preisabweichung
Jede Kostenabweichung hat zwei mögliche Ursachen. Eine Mengenabweichung entsteht, wenn mehr Stunden oder mehr Material verbraucht wurden als angesetzt, meist aus Gründen im eigenen Betrieb. Eine Preisabweichung entsteht, wenn Material, Gerät oder Nachunternehmer teurer waren als kalkuliert, oft aus Gründen von außen. Die Zerlegung zeigt, wer gegensteuern kann: Den Verbrauch steuert die Baustelle, den Preis der Einkauf.
Nicht jede Abweichung verdient eine Analyse. Sinnvoll ist ein vorher festgelegter Grenzwert je Kostenart, ab dem genauer hingesehen wird.
10 %
Weicht beim Einheitspreisvertrag die ausgeführte Menge um mehr als 10 Prozent vom Vertrag ab, ist für die darüber hinausgehende Menge auf Verlangen ein neuer Preis zu vereinbaren.
§ 2 Absatz 3 VOB/B, wenn die VOB/B vereinbart ist, Quelle 2.
Für die Nachkalkulation heißt das: Eine deutliche Mehrmenge ist zuerst ein Abrechnungsthema. Ob ein neuer Preis verlangt werden kann, hängt vom Vertrag und vom Einzelfall ab und ist eine Rechtsfrage.
Merksatz
Ein Soll-Ist-Vergleich ohne Hätte-Kosten bestraft die Baustelle, die mehr gebaut hat. Erst das Soll der erbrachten Leistung zeigt, wo das Geld geblieben ist.
Kapitel 7
Wie sieht eine Nachkalkulation an einem Beispiel aus?
Alle Zahlen in diesem Beispiel sind frei gewählte Annahmen, keine Branchenwerte. Ein Zimmerei- und Dachdeckerbetrieb saniert das Dach eines Mehrfamilienhauses, Einheitspreisvertrag, alle Beträge netto. Der Deckungsbeitrag I ist nach allen Einzelkosten einschließlich Lohn gerechnet, mit einem angenommenen Kalkulationslohn von 48 Euro je Stunde.
Vorkalkulation
| Position (Annahme) | Soll |
|---|---|
| Auftragswert | 120.000 € |
| Material | 38.000 € |
| Fremdleistung Gerüst durch Nachunternehmer | 9.000 € |
| Geräte, Container, Entsorgung | 6.000 € |
| Lohn: 600 Stunden mal 48 € | 28.800 € |
| Deckungsbeitrag I | 38.200 € (31,8 %) |
| Baustellengemeinkosten: Bauleitung anteilig, Baustelleneinrichtung | 7.000 € |
| Deckungsbeitrag II | 31.200 € |
| Anteil Allgemeine Geschäftskosten laut Jahresplanung | 19.200 € |
| Geplantes Auftragsergebnis | 12.000 € (10,0 %) |
| Deckungsbeitrag I je Lohnstunde | 63,67 € |
Während der Ausführung passieren zwei Dinge. Der Bauherr beauftragt eine zusätzliche Gaube als Nachtrag: Erlös 6.500 Euro, kalkuliert mit 60 Stunden zu 2.880 Euro und 2.000 Euro Material, also 1.620 Euro Deckungsbeitrag. Und das Gerüst steht drei Wochen länger, weil sich ein Vorgewerk verzögert. Der Gerüstbauer berechnet 1.800 Euro mehr. Weitergeben lässt sich das nicht, weil die Verzögerung nicht dokumentiert wurde.
Nachkalkulation mit Hätte-Kosten
| Position (Annahme) | Hätte-Kosten | Ist | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Erlös mit Nachtrag | 126.500 € | 126.500 € | 0 € |
| Material | 40.000 € | 41.200 € | +1.200 € |
| Fremdleistung Gerüst | 9.000 € | 10.800 € | +1.800 € |
| Geräte, Container, Entsorgung | 6.000 € | 7.400 € | +1.400 € |
| Lohn | 660 h = 31.680 € | 760 h = 36.480 € | +100 h = +4.800 € |
| Deckungsbeitrag I | 39.820 € | 30.620 € (24,2 %) | −9.200 € |
| Baustellengemeinkosten | 7.000 € | 7.600 € | +600 € |
| Deckungsbeitrag II | 32.820 € | 23.020 € | −9.800 € |
| Allgemeine Geschäftskosten, Plananteil | 19.200 € | 19.200 € | 0 € |
| Auftragsergebnis | 13.620 € | 3.820 € (3,0 %) | −9.800 € |
| Deckungsbeitrag I je Lohnstunde | 60,33 € | 40,29 € | −20,04 € |
Die Hätte-Kosten enthalten den Nachtrag: 38.000 plus 2.000 Euro Material und 600 plus 60 Stunden. Die Ist-Einzelkosten betragen 41.200 plus 10.800 plus 7.400 plus 36.480, zusammen 95.880 Euro. 126.500 minus 95.880 ergibt den Deckungsbeitrag I von 30.620 Euro. Die Abweichungen summieren sich auf 1.200 plus 1.800 plus 1.400 plus 4.800 plus 600, also 9.800 Euro.
Was die Nachkalkulation zeigt
- Wer nur Plan gegen Ist vergleicht, sieht 12.000 Euro gegen 3.820 Euro, also 8.180 Euro weniger. Er übersieht, dass der Nachtrag 1.620 Euro zusätzlich hätte bringen müssen. Die eigentliche Lücke beträgt 9.800 Euro.
- Knapp die Hälfte der Lücke sind 100 Mehrstunden für 4.800 Euro. Ob sie aus Rüst- und Wegezeiten, Wartezeiten oder der Ausführung kommen, zeigt nur eine Stundenerfassung je Auftrag und Tätigkeit.
- Die 1.800 Euro für die längere Standzeit wären mit einer dokumentierten Behinderung vielleicht durchsetzbar gewesen. Das ist eine Rechtsfrage des Einzelfalls, ohne Dokumentation fehlt aber schon der Nachweis.
- Die Lohnstunde brachte 40,29 Euro Deckungsbeitrag, geplant waren 63,67 Euro. Für das nächste Angebot dieses Typs gehören Stundenansatz und Materialverschnitt auf den Prüfstand.
Kapitel 8
Was zeigen Baustellenergebnis und Deckungsbeitrag je Stunde?
Das Baustellenergebnis ist die Differenz zwischen der ausgeführten Bauleistung einer Baustelle und den dafür angefallenen Kosten. Es wird je Kostenstelle ermittelt, für den Monat, seit Beginn des Geschäftsjahres und seit Beginn der Baustelle. Die Bauleistung umfasst die eigene Leistung und die Leistungen der Nachunternehmer, bewertet zu den vereinbarten Preisen ohne Umsatzsteuer, auch für noch nicht abgerechnete Teile.
Aus dem Baustellenergebnis lässt sich die Ergebnisrate ableiten: Baustellenergebnis mal 100 geteilt durch die Bauleistung. Sie macht Baustellen unterschiedlicher Größe vergleichbar. Aussagekräftig ist sie nur, wenn die Kosten periodengerecht abgegrenzt sind.
Wann der Deckungsbeitrag je Stunde hilft
Wenn Personal der Engpass ist, entscheidet die knappe Ressource, welcher Auftrag sich lohnt. Dann hilft der Deckungsbeitrag je Stunde: Er zeigt, welcher Auftrag eine produktive Stunde am besten bezahlt. In der Betriebswirtschaft heißt das relativer Deckungsbeitrag.
Der Umsatz je Arbeitsstunde ist dafür wenig geeignet. Er steigt mit jedem Euro Nachunternehmerleistung und Material, ohne dass die eigene Mannschaft mehr verdient. Aussagekräftiger ist die eigene Wertschöpfung ohne Material je produktive Stunde, im Handwerk also der Deckungsbeitrag vor Lohn je Stunde. Er lässt sich direkt mit dem Stundenverrechnungssatz des Betriebs vergleichen.
Kapitel 9
Welche Fehler verfälschen die Nachkalkulation?
Fünf Fehlerbilder verfälschen die Nachkalkulation in Bau und Handwerk. Jedes hat eine Folge für den Preis des nächsten Angebots:
| Fehlerbild | Folge |
|---|---|
| Stunden werden pauschal je Woche erfasst, nicht je Auftrag und Tätigkeit. | Mehrstunden fallen auf, ihre Ursache bleibt offen. Der nächste Angebotspreis bleibt falsch, und Behinderungen durch andere sind nicht belegt. |
| Mehrmengen werden gegen den ursprünglichen Plan gelesen. | Die Baustelle erscheint im Verlust, obwohl sie mehr gebaut hat. Mehrleistung wird nicht oder zu spät abgerechnet. |
| Der Zuschlag auf Material wird in der Nachkalkulation dem Lohn zugerechnet. | Die Lohnstunde wirkt profitabler, als sie ist, weil ein Teil der Gemeinkosten über das Material verdient wurde. |
| Ein einziger Zuschlag verteilt alle Gemeinkosten auf den Lohn, über alle Sparten. | Lohnintensive Aufträge werden zu teuer angeboten und gehen verloren, materialintensive zu billig. |
| Kosten werden nach Rechnungseingang gebucht, nicht nach Leistungszeitraum. | Monatsergebnisse schwanken, Abweichungen fallen zu spät oder am falschen Ort auf. |
Gerüstbau: die Standzeit
Im Gerüstbau ist die Standzeit ein eigener Kostentreiber. Steht ein Gerüst länger als kalkuliert, ist Material gebunden, das für den nächsten Auftrag fehlt, auch wenn auf der Baustelle niemand arbeitet. Der Bundesgerichtshof hat 2013 entschieden: Soweit nichts anderes vereinbart ist, schuldet der Gerüstbauer die Vorhaltung so lange, wie das Gerüst für die Bauarbeiten benötigt wird. Sind Einheitspreise nach Gerüstmaß und Zeit vereinbart, kann bei Überschreitung des vertraglichen Zeitmaßes die Vergütungsregel der VOB/B greifen. Für die Nachkalkulation heißt das: Standzeiten je Auftrag erfassen und Verlängerungen sofort dokumentieren. Vertiefung bietet die Fortbildung Controlling im Gerüstbau.
Vermietung und Handel mit Montage
Für Vermieter ist der Auftrag oft das einzelne Gerät. Der Deckungsbeitrag je Maschine zeigt, welche Geräte ihre Kosten verdienen, mehr dazu auf der Seite Mietstation ertragreich führen und in der Fortbildung Controlling in der Vermietung. Händler mit Montage rechnen am besten getrennt nach Sparten: Ware, Montage und Service verursachen unterschiedliche Kosten und brauchen jeweils einen eigenen Deckungsbeitrag.
Kapitel 10
Was habe ich davon, außer Mehrarbeit?
Für den Inhaber ist die Nachkalkulation zuerst eine Frage von Preis und Ergebnis. Für Bauleiter, Poliere und das Büro kann sie eine Entlastung sein, wenn die Daten einmal sauber erfasst werden und nicht am Monatsende zusammengesucht.
| Rolle | Belastung im heutigen Ablauf | Nutzen im neuen Ablauf |
|---|---|---|
| Inhaber | Erfährt erst mit dem Jahresabschluss, welche Aufträge Geld verdient haben | Sieht je Auftrag und Sparte, wo der Deckungsbeitrag entsteht, und kalkuliert die nächsten Angebote auf echten Werten |
| Bauleiter | Muss Abweichungen im Nachhinein erklären, ohne Zahlen zur Hand | Sieht Abweichungen monatlich und kann gegensteuern, solange der Auftrag läuft |
| Polier und Kolonnenführer | Fragen zu Stunden und Mehrmengen lange nach der Ausführung | Stunden, Mengen und Behinderungen werden einmal auf der Baustelle festgehalten |
| Kalkulation und Büro | Stundenzettel abtippen, Lieferscheine suchen, Ansätze schätzen | Ansätze für das nächste Angebot kommen aus abgeschlossenen Aufträgen |
Kapitel 11
Häufige Fragen
Grundlagen
Was ist der Deckungsbeitrag?
Der Deckungsbeitrag ist der Erlös minus die variablen Kosten. Er zeigt, wie viel ein Auftrag zur Deckung der Fixkosten wie Büro, Fuhrpark, Verwaltung und Geschäftsführung und zum Gewinn beiträgt.
Ist der Deckungsbeitrag dasselbe wie der Gewinn?
Nein. Gewinn entsteht erst, wenn die Summe aller Deckungsbeiträge die Fixkosten des Betriebs übersteigt. Ein Auftrag mit positivem Deckungsbeitrag kann trotzdem zu wenig bringen.
Was ist der Unterschied zwischen Rohertrag und Deckungsbeitrag?
Der Rohertrag zieht nur Material oder Wareneinsatz vom Umsatz ab. Der Deckungsbeitrag zieht alle variablen Kosten ab, im Bau etwa auch Fremdleistungen, Gerätemiete und Entsorgung, je nach Definition auch den Lohn.
Lohn und Stufen
Gehört der Lohn fest angestellter Mitarbeiter in den Deckungsbeitrag?
Für die Nachkalkulation eines Auftrags ja, denn die Stunden sind die Kostenart, die der Betrieb auf der Baustelle selbst steuert. Für den Vergleich, welcher Auftrag die knappen Stunden am besten bezahlt, rechnest du zusätzlich einen Deckungsbeitrag vor Lohn je Stunde. Auf jeder Auswertung steht, welche Definition gilt.
Was ist der Unterschied zwischen einstufiger und mehrstufiger Deckungsbeitragsrechnung?
Die einstufige Rechnung zieht alle Fixkosten in einer Summe ab. Die mehrstufige Rechnung zieht sie schrittweise ab, im Baubetrieb zum Beispiel erst die Baustellengemeinkosten, dann die Fixkosten einer Sparte oder Kolonne, zuletzt die Allgemeinen Geschäftskosten. So wird sichtbar, auf welcher Ebene Geld verdient wird.
Nachkalkulation
Was ist eine Nachkalkulation?
Die Nachkalkulation ermittelt die tatsächlichen Mengen, Stunden und Kosten eines Auftrags und stellt sie den Soll-Werten der Arbeitskalkulation gegenüber. Sie zeigt, ob der Auftrag Geld verdient hat und ob die Ansätze für das nächste Angebot stimmen.
Wann sollte ich nachkalkulieren?
Bei längeren Aufträgen mitlaufend, etwa monatlich zur Leistungsmeldung, und abschließend mit der Schlussrechnung. Nur mitlaufend lässt sich noch gegensteuern, solange der Auftrag läuft.
Welche Daten brauche ich für die Nachkalkulation?
Stunden je Auftrag und Tätigkeit, Lieferscheine und Materialbelege, Rechnungen von Nachunternehmern und Geräteverleihern, das Aufmaß oder die abgerechnete Leistung und die Arbeitskalkulation als Soll.
Was sind Hätte-Kosten im Soll-Ist-Vergleich?
Hätte-Kosten sind die Soll-Kosten der tatsächlich erbrachten Leistung: Ist-Menge mal Soll-Ansatz je Einheit. Ohne sie erscheinen Mehrmengen und Nachträge im Soll-Ist-Vergleich fälschlich als Verlust.
Entscheidungen
Darf ich einen Auftrag mit niedrigem Deckungsbeitrag annehmen?
Kurzfristig kann ein Auftrag sinnvoll sein, der mindestens seine variablen Kosten deckt und freie Kapazität füllt, weil er einen Teil der Fixkosten abfedert. Dauerhaft müssen alle Aufträge zusammen die Fixkosten und den Gewinn tragen.
Wann hilft der Deckungsbeitrag je Stunde?
Wenn Personal der Engpass ist. Dann zeigt der Deckungsbeitrag je Stunde, welcher Auftrag eine produktive Stunde am besten bezahlt. Der Umsatz je Stunde ist dafür wenig geeignet, weil er mit Material und Nachunternehmerleistungen steigt.
Über diese Seite
Wer schreibt hier?
Zelic Consulting ist eine Management-Beratung ausschließlich für die Bau- und Handwerksbranche im DACH-Raum. Im Netzwerk arbeiten über 30 Fachberater mit 100 Prozent Branchenfokus. Zelic Consulting ist Mitglied im bbi und dort als Top-Dienstleister im Bereich Recht und Beratung gelistet, VDBUM-Fördermitglied seit April 2026, veröffentlicht beim Fachverlag LECTURA und produziert den Podcast „Erfolgsbausteine“.
Quellen
- Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Fachinformation Bundesbau: Vergabe- und Vertragshandbuch für die Baumaßnahmen des Bundes, Ausgabe 2017, Teil 2, Formblatt 221 Preisermittlung bei Zuschlagskalkulation. Abrufdatum: 21.10.2026
- Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen Teil B, § 2 Absatz 3, Wortlaut bei dejure.org. Abrufdatum: 21.10.2026
- Bundesgerichtshof: Urteil vom 11.04.2013, VII ZR 201/12, Vorhaltezeit für ein Baugerüst, Leitsätze 1 und 2. Abrufdatum: 21.10.2026
- bauprofessor.de (f:data GmbH): Lexikon, Nachkalkulation, Stand 11.09.2023. Abrufdatum: 21.10.2026
- bauprofessor.de (f:data GmbH): Lexikon, Arbeitskalkulation, Stand 28.02.2023. Abrufdatum: 21.10.2026
- bauprofessor.de (f:data GmbH): Lexikon, Baustellenergebnis, Stand 23.10.2023. Abrufdatum: 21.10.2026
- bauprofessor.de (f:data GmbH): Lexikon, Umsatz je Arbeitsstunde, Stand 03.06.2016. Abrufdatum: 21.10.2026
- Lexware: Unternehmerlexikon, Nachkalkulation, zuletzt aktualisiert am 26.06.2026. Abrufdatum: 21.10.2026
- Haufe Akademie: Glossar, Deckungsbeitragsrechnung. Abrufdatum: 21.10.2026
- WHK Controlling: Deckungsbeitragsrechnung, Abschnitt Preisuntergrenze. Abrufdatum: 21.10.2026
- WHK Controlling: Einstufige und mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung. Abrufdatum: 21.10.2026
- WHK Controlling: Rohertrag berechnen, Abschnitt Rohertrag, Deckungsbeitrag und Gewinn. Abrufdatum: 21.10.2026
- welt-der-bwl.de: Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung. Abrufdatum: 21.10.2026
Unsicherheiten und Annahmen
- Zum Thema gibt es kaum frei zugängliche Primärquellen. Begriffe wie Arbeitskalkulation, Hätte-Kosten und Baustellenergebnis stammen aus dem Fachlexikon bauprofessor.de, das ein Anbieter von Bausoftware herausgibt. Das Standardwerk KLR Bau war nicht im Wortlaut einsehbar.
- Die Antwort zur Lohnfrage ist eine Einordnung von Zelic Consulting. Die Quellen definieren den Deckungsbeitrag unterschiedlich, das Formblatt 221 zählt den eigenen Lohn zu den Einzelkosten.
- Die Übertragung der mehrstufigen Rechnung auf Baustelle, Sparte und Allgemeine Geschäftskosten ist eine Anwendung der allgemeinen Methode, keine Norm.
- Alle Zahlen im Rechenbeispiel und im Pflasterbeispiel sind Annahmen. Branchenwerte für Deckungsbeiträge, Abweichungen oder die Verbreitung der Nachkalkulation wurden nicht gefunden und stehen deshalb nicht auf dieser Seite.
- Aussagen zur VOB/B und zum Urteil des Bundesgerichtshofs ordnen nur ein. Diese Seite ist keine Einzelfallberatung und keine Rechtsberatung.
- Stand der Quellen ist der 21.10.2026.
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